KI-Texte für Social-Media-Posts: Wofür braucht es noch eine Agentur?

Sören von Bescherer Mitgründer von leckerPostings Stand

Aus einem Funkelstern gleitet ein beschriebenes Blatt. Eine Zeile ist rot durchgestrichen, eine Hand mit Stift setzt einen grünen Haken darunter.

KI-Texte für die Kunden eurer Agentur sind schnell entworfen. Bei euch bleibt, was keine KI weiß: wie euer Kunde klingt, worauf seine Zielgruppe anspringt und was gar nicht geht.

Was die KI euch abnimmt

KI-Texte nehmen euch vor allem den Anfang ab, solange das Blatt noch leer ist. Eine Schreibblockade kennt die KI nicht. Um elf Uhr abends ist sie so frisch wie morgens um acht.

Ein paar Beispiele, wo sie euch Arbeit abnimmt:

  • Themen: Sie bereitet eine Themenliste für den ganzen Monat vor.
  • Caption: Sie schreibt dieselbe Caption in mehreren Längen. Für einen Post findet sie ein Dutzend Einstiege.
  • Umbauen: Aus einem Blogartikel werden mehrere Posts, aus dem Instagram-Post wird eine Fassung für LinkedIn.
  • Bild: Sie liefert Motive und Hintergründe in Varianten.

Auswählen, was davon zu eurem Kunden und zum Anlass passt, bleibt eure Sache.

KI-Marketing ist in deutschen Agenturen längst Alltag. In einer Befragung des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) unter 201 Agenturen nutzten Anfang 2025 schon 98 Prozent generative KI.

Die Frage ist also kaum noch, ob ihr KI nutzt, sondern wer sie so bedient, dass die Texte nach eurem Kunden klingen.

KI-Texte schreiben heißt briefen

Eine KI schreibt so gut, wie ihr sie über euren Kunden informiert. Bittet ihr sie um einen Post zum Frühjahrscheck eines Radladens, bekommt ihr zum Beispiel diesen Satz: Entdecke jetzt unseren professionellen Frühjahrs-Check und starte sicher in den Frühling! Das könnte jeder Radladen in Deutschland posten.

Briefen heißt, ihr gebt der KI mit, was nur ihr wisst: Der Inhaber heißt Jonas, im Laden wird geduzt, Ausrufezeichen und das Wort entdecken kann er nicht leiden und seine Kunden fahren am Wochenende Touren. Mit diesem Wissen schreibt die KI: Jonas schraubt wieder. Bringt eure Räder vorbei, bevor die erste Tour ansteht.

Ist das jetzt wirklich die Stimme eures Kunden? Schon näher dran. Aber ob Jonas so redet, weiß nur, wer ihn kennt. Das entscheidet am Ende ein Mensch, nicht die KI.

Zwei Instagram-Posts des Kontos radladen.beispiel mit derselben Zeichnung eines Fahrrads im Montageständer. Links mit rotem Kreuz die Caption frisch aus der KI: Entdecke jetzt unseren professionellen Frühjahrs-Check und starte sicher in den Frühling!, das Wort Entdecke und das Ausrufezeichen rot eingekreist, darunter: Könnte jeder Radladen posten. Rechts mit grünem Haken die Caption mit dem, was nur die Agentur weiß: Jonas schraubt wieder. Bringt eure Räder vorbei, bevor die erste Tour ansteht. Daneben ein Zettel Kundenprofil: Inhaber Jonas, im Laden wird geduzt, keine Ausrufezeichen und kein entdecken, Kunden fahren am Wochenende Touren.

Auch beim Bild kennt die KI euren Kunden nicht. Lasst sie also nicht das fertige Visual bauen, sondern setzt ihre Motive in die CI eures Kunden und eure eigenen Vorlagen. Dann sieht auch das Bild nach Jonas aus und nicht nach irgendeinem Radladen.

Was die KI über euren Kunden wissen muss

Alles, was ihr über einen Kunden wisst, gehört in ein Kundenprofil. Damit klingt Monat sieben noch wie Monat eins. Das Profil bekommt die KI bei jedem Post mit:

  • Vorbilder: drei Posts, die er mochte.
  • Tabus: die Wörter, die er nie sagen würde.
  • Korrekturen: alles, was er in der Freigabe angestrichen hat.
  • Schon gelaufen: welche Themen und Bilder schon online waren. Sonst schlägt die KI im Herbst vor, was im Frühjahr lief.

Ob das Profil ein Dokument ist, ein eigener KI-Assistent je Kunde oder ein gespeicherter Prompt in eurem Werkzeug, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass jemand nach jeder Korrektur nachträgt, was sich geändert hat. Sonst macht der nächste KI-Text im Oktober genau den Fehler, den euer Kunde im März angestrichen hat.

Was euer Kunde einmal korrigiert hat, darf er nie wieder korrigieren müssen.

Konsistent kann KI auch auf die falsche Art sein. Stellt euch eine Agentur vor, die sämtliche Posts ihrer Kunden allein von der KI bauen lässt. Nach ein paar Wochen sehen die Bilder beim Bäcker, beim Steuerberater und beim Yogastudio so gleich aus, dass es jeder merkt, der die drei Profile nacheinander anschaut.

KI-Content, der für jeden Kunden gleich klingt und gleich aussieht, ist nicht konsistent, sondern austauschbar. Gleich bleiben soll die Stimme eures Kunden, nicht die Handschrift eurer KI.

Worauf ihr bei KI-Bildern achtet

Jedes KI-Bild seht ihr in voller Größe an, bevor es rausgeht. Bei Bildern enttäuscht KI am häufigsten. In der weltweiten Umfrage für HubSpots Social-Media-Report 2026 unter über 1.100 Fachleuten nannten 40,2 Prozent die Bilderzeugung als den Bereich, in dem KI am meisten hinter den Erwartungen zurückblieb.

Fehlt einer Frau auf dem Motiv eine Hand, sieht das im kleinen Vorschaubild kaum jemand. Beim zweiten Hinsehen sieht es jeder. Euer Kunde fragt dann zu Recht, wer das durchgewunken hat.

Kostet KI auf Instagram Reichweite? Meta lässt KI-Inhalte auf seinen Plattformen zu, solange sie nicht gegen andere Regeln verstoßen. KI-generierte Bilder versieht Meta mit dem Label KI-Inhalt, wenn seine Systeme sie erkennen oder ihr sie selbst kennzeichnet.

Eine Grenze zieht Instagram seit Ende August 2026: Profile, die eine von KI erzeugte Person zeigen und das nicht kennzeichnen, können an Reichweite verlieren. Wer KI nur als Werkzeug nutzt, braucht laut Instagram keine solche Kennzeichnung für sein ganzes Profil. Dass Instagram oder Facebook Posts schlechter ausspielen, nur weil KI im Spiel war, steht in Metas Regeln nicht.

Ein KI-Hinweis kann aber Wirkung kosten. In zwei Experimenten mit Instagram-Profilen (Seeger, Wessel und Lehrer, 2026) reagierten die Teilnehmer auf Bilder, die als KI-generiert oder KI-bearbeitet gekennzeichnet waren, schwächer als auf Bilder, die als von Menschen gemacht gekennzeichnet waren. Am deutlichsten war der Unterschied bei emotionalen Inhalten.

Beim Post, der berühren soll, wiegt der Hinweis also am schwersten. Wann ein KI-Bild einen Hinweis braucht und wer ihn setzt, erklären wir in unserem Ratgeber Wer trägt die KI-Kennzeichnungspflicht, Agentur oder Kunde?.

Was ihr trotzdem selber macht

Lasst ihr KI-Texte schreiben, tippt ihr weniger. Aber die Arbeit bleibt bei euch. Aus dem Schreiben wird Briefen, Auswählen, Kürzen und Prüfen.

Folgt einem Post einmal auf seinem Laufzettel durch die Agentur, von der Themenidee bis zur letzten Korrektur. Die KI liefert an drei Stationen zu: Themenidee, erster Entwurf, Bild. Einen Haken von euch braucht jede Station, auch diese drei.

Laufzettel eines Posts mit sieben Stationen untereinander: Themenidee, erster Entwurf, Stimme, Bild, Fakten, Freigabe, Korrektur. Bei Themenidee, erstem Entwurf und Bild steht ein Stempel KI. Einen Haken von euch hat jede Station.

Am meisten zählt euer Haken dort, wo ihr die Fakten prüft. Setzt die KI in den Post zum Frühjahrscheck einen Preis, den es bei Jonas nie gab, steht er am Samstag mit dem ersten Kunden an der Werkbank und erklärt sich. Für jede Zahl, jeden Namen und jedes Angebot im Post steht am Ende ein Mensch gerade, nicht das Werkzeug.

Stellt KI-Texte deshalb nie eins zu eins online. Fragt euer Kunde, wozu er euch noch braucht? Auch wer seine Posts selbst mit ChatGPT schreibt, muss die KI füttern, das Kundenprofil pflegen, jedes Bild prüfen und jeden Monat daran denken.

Werden die Posts mit KI besser?

Ob KI-Texte eurem Kunden mehr bringen als vorher, zeigt nur der Vergleich. Nehmt dieselben Zahlen, etwa Reichweite und Anfragen, vor und nach dem Umstieg auf KI. Schaut dabei über mehrere Monate, nicht auf den einen Post, der zufällig gut lief.

Und wie geht Google mit KI-Texten auf der Website eurer Kunden um? Einen Vorteil allein dafür, dass KI im Spiel ist, gibt es in der Google-Suche nicht. Google belohnt nach eigener Aussage hochwertigen Inhalt, egal wie er entstanden ist.

KI angemessen einzusetzen, verstößt nicht gegen Googles Richtlinien. Gegen die Spam-Richtlinien verstößt dagegen, wer massenhaft Seiten erzeugt, die Nutzern wenig oder nichts bringen und nur in der Suche nach oben kommen sollen, ob mit KI oder ohne.

Die Sorge, Google bestrafe KI-Texte auf Website oder Blog eurer Kunden, stimmt so also nicht. Berechtigt ist nur die Sorge vor Masse ohne Mehrwert.

In seiner Anleitung zu KI-Inhalten, Stand Oktober 2026, nennt Google es außerdem entscheidend, alle KI-Inhalte vor dem Veröffentlichen von Hand auf Fakten zu prüfen. Für den Feed auf Instagram oder LinkedIn sagt Google nichts.

Im Feed sammelt euer Kunde Vertrauen, bis jemand bei ihm kauft oder bucht. In derselben Umfrage von HubSpot sagten 77 Prozent, für ihre Marke sei Echtheit wichtiger als aufwendige Produktion. Ein Post, der glatter ist, als euer Kunde je reden würde, ist deshalb nicht automatisch der bessere.

Bevor ein KI-Post zum Kunden geht

  • Hat die KI mitbekommen, wie euer Kunde klingt, was er nie sagt und was er zuletzt korrigiert hat?
  • Würde euer Kunde die Caption so sagen, wenn er sie laut vorliest?
  • Stimmen jede Zahl, jeder Name und jedes Angebot im Post?
  • Habt ihr das Bild in voller Größe angesehen, mit Händen, Gesichtern und Schrift?

Wie ihr mit einem Kunden anfangt

Fangt mit einem einzigen Kunden an und schreibt sein Kundenprofil auf eine Seite. Gebt diese Seite bei jedem KI-Text mit. Legt außerdem fest, wer liest, bevor etwas zur Freigabe geht.

Nach einem Monat wisst ihr zweierlei: ob die Posts nach eurem Kunden klingen und wie viel Arbeit es macht, die Seite aktuell zu halten. Rechnet das auf alle eure Kunden hoch.

Spätestens dann seht ihr, wo die Arbeit an KI-Texten wirklich steckt: nicht im Werkzeug, sondern bei dem, der es bedient, füttert, pflegt und jeden Post prüft, für jeden Kunden und jeden Monat. Ob das bei euch jemand nebenher schafft oder ob ihr es einem Partner gebt, wisst ihr dann aus eigenen Zahlen. Wie so ein Partner unter eurem Namen arbeitet, steht in unserem Ratgeber White-Label-Agentur: Wie läuft Social Media unter eurem Namen?.

Wir übernehmen Social Media für eure Kunden im White Label. Dahinter stecken zwei Leute, die das seit 2019 machen. Vor dem ersten Post lesen wir uns in die Branche eures Kunden ein.

Design, Text und Video kommen bei uns aus einem Team. Kein Post geht ohne Freigabe raus. Euer Kunde behält seine Stimme und sieht dabei nur euch.

Häufige Fragen

Lohnt sich KI auch für kleine Agenturen?

Ja. Laut der Befragung des BVDW ist die Größe einer Agentur bei KI meist kein Vorteil. Einen Vorsprung hatten große Agenturen nur bei eigenen KI-Modellen. Für Social-Media-Posts braucht ihr kein eigenes Modell.

Wie klingen KI-Texte menschlicher?

Kommt drauf an, was ihr der KI mitgebt. Echte Posts eures Kunden als Vorlage helfen mehr als die Bitte um einen lockeren Ton. Danach streicht ihr alles, was euer Kunde so nie sagen würde: Floskeln, gestapelte Adjektive und den Satz, der nur gut klingt.

Sören von Bescherer

Sören von Bescherer

Mitgründer von leckerPostings. Verantwortet Texte, Technik und Reporting.

Diese Seite fasst zusammen, worauf wir beim Schreiben und Prüfen achten.

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